Jenseits der Grünen Linie – Reisebericht aus Nordzypern

Nordzypern - BellapaisDie Reisejournalistin Andrea Erne hat sich – gemeinsam mit 12 anderen Teilnehmern und zwei Reiseleitern – aufgemacht, den touristisch noch weitgehend unbekannten Norden Zyperns zu erkunden. Was sie dabei alles erlebt und gesehen hat, schildert sie in ihrem ausführlichen Reisebericht (pdf 2,38 MB), der dieses Wochenende u.a. in der hiesigen Zeitung zu lesen war.

Falls Sie nach dieser Lektüre Lust bekommen haben, dieses besondere „Fleckchen Erde“ kennenzulernen, haben Sie im Oktober gleich die Möglichkeit dazu:

Kommen Sie mit und entdecken Sie „Den unbekannten Norden Zyperns“ vom 02. bis 09. Oktober 2016. Die beiden Reiseleiter, Johannes Altmann und Fatih Bildircin, freuen sich auf Sie!

Rumänien: Kirchenburgen, Moldauklöster & Donaudelta

Vielfältig und viel(-)seitig – dies trifft sowohl auf die Reise selbst, als auch auf das „Kunstwerk“ zu, welches einige Teilnehmer der Rumänien-Reise von Herrn Herbert Margraf erstellt haben.

Kirchenburg Biertan

Kirchenburg Biertan

Liebevoll und aufwändig gestaltet erfahren wir, warum die Sakristeitür der Kirchenburg in Biertan eine echte Besonderheit ist.

Außerdem lernen wir, dass man nicht unbedingt nach Rom reisen muss, um die „Sixtinische Kapelle“ bewundern zu können.

Die wahre Dichtkunst erleben wir gegen Ende des Reiseberichts. Aus „Ich will den Herren loben“ wurde flugs „Den Herbert woll`n wir loben“.

Ein echtes Kunstwerk eben, dieses Reisetagebuch. (pdf-Datei: 7 MB)

„Rund um die Britischen Inseln“ – Teil 10

12.August 2016

Durham: Eng und doch breit-bequem, wie eben das ganze Land

Unser Schiff MS HamburgNach Dublin mit St. Patrick, Belfast mit der Titanic, den Inneren und den Äußeren Hebriden mit ihrem ruhigen Seegang, nach der Nordspitze des schottischen Festlands mit dem Castle of Mey, schließlich nach Edinburgh mit seiner Burg und dem Military Tattoo lässt sich das Bequem-Englische, das die Inseln auf unterschiedliche Weise prägt, ausgesprochen gut in Durham erfahren. Das Bequem-Englische? Wir sind also auch konkret wieder in England angekommen, sozusagen zu einem Abschiedsbesuch. Wir haben die Britischen Inseln zum größten Teil umrundet, wie der Titel der (CV-)Reise es ja auch verheißen hatte. Durham nun im Nordosten, nur wenig südlich der Grenze zu Schottland, erreichen wir mit dem Bus. Eine Stunde lang fahren wir vom Hafen in Sunderland aus. Noch einmal Linksverkehr, wobei ich persönlich mich längst noch nicht daran gewöhnt habe, sondern noch immer (ver)meine, wenn ich nach einem kleinen Nickerchen im Bus die Augen öffne, wir befänden uns gerade im Überholvorgang …

Unsere Führerin zeigt uns DurhamUnd schon wieder ist die Rede von einer Kathedrale, diesmal der von Durham. Zwischenzeitlich erscheint England als das Land der Kathedralen, nicht (so sehr) Frankreich. In Frankreich sind sie wohl insgesamt größer, erstaunlicher, erhabener; in England sind sie aber auch und vor allem imposant – „imposing“, wie unsere Führerin sagt, als sie über die romanische Kathedrale von Durham spricht. Weiterlesen

„Rund um die Britischen Inseln“ – Teil 9

11. August 2016

Edinburgh: anregende Kulturstadt europäischer Prägung

Edinburgh: Firth of ForthEdinburgh ist Schottlands Hauptstadt und eine tolle Stadt dazu. Kultur ist ja gerade nicht dazu da, um mit ihr zu strotzen. Wäre sie es, könnte man schreiben: Edinburgh strotzt mit und von und vor und vor lauter Kultur. Tatsächlich prägt Kultur diese Schöne an dem Firth of Forth, wobei wir bereits während einer Führung der vergangenen Tage zuvor gehört hatten, dass ein „firth“ auf British English (BE) ein „estuary“ sei – eine Flussmündung. Allerdings hatte es an der Südküste Englands weder firth noch estuary geheißen, sondern, noch in Ortsnamen wie Portsmouth und Plymouth zu erfahren, „mouth“. Also Mund, und auch so wieder: Mündung.

Whisky Houses in EdinburghWie auch immer Mündung: Über den firth of forth, neben dem unsere MS Hamburg festgemacht hat, führt eine mächtige Brücke, daneben entsteht gerade bis 2017 die nächste solche Brücke; mit sehr kühn in die Luft ragenden Straßenstücken, die erst noch miteinander zu verbinden sind. Von diesen Brücken aus sind es noch reichlich 10 Meilen bis ins Zentrum Edinburghs (ca. 16 Kilometer). Die Straßen dorthin säumen die echten schottischen Bungalows, erklärt uns die Führerin. Dabei erfahren wir, dass das Wort Bungalow indischen Ursprungs ist. Zur Linken wie zur Rechten dann auch einige Eliteschulen. „Harry Potter“ scheint in den Bildungskanon eingegangen zu sein; mindestens ist das wohl Meinung in der Zunft der Fremdenführer, denn immer wieder, auch hier, werden während der „guided tours“ Parallelen zu der genannten Welt gezogen. Also: Das College sehe demnach aus wie dasjenige, dem der Zauberknabe zugehört(e). Interessanter ist da allerdings schon der Hinweis, dass man hier als Neuzugezogener oder überhaupt als Mitglied der Gesellschaft häufig vorneweg gefragt werde, wo man in die Schule gegangen sei oder die eigenen Kinder dies tun würden – denn das sei der Ausweis für gesellschaftlichen Status. Weiterlesen

„Rund um die Britischen Inseln“- Teil 8

10.August 2016

Wo Queen Mum urlaubte / Wie die Crew in Wirklichkeit ist / Langsam winkt der Abschied

Schottland: Ganz im NordenZu sehen waren schon die Umrisse der Orkney-Inseln. Allerdings fühlten wir uns auch so bereits ziemlich weit im Norden, und zwar am nördlichsten Eck der schottischen Land- bzw. Inselmasse. Man landet bei Scrabster an, und kaum ist der Hafen verlassen, zeigt sich ein ungeahnter Charme. Gewiss ist hier nicht das Zentrum Europas, doch ist hier ein eigener Charme zu erleben: Klippen und Weiden soweit das Auge reicht. Dazwischen Häuser und Häuschen und Hütten auf dem Land; auch zerfallene. Allerdings ist das Ganze nichts für Romantiker. Denn in die Sehnsuchtsferne schweifender Stil findet sich hier an keinem Ort. Oder doch? Davon gleich mehr.

Zwischen den HebridenEinstweilen sitzt man also im Bus, eine Rheinländerin hat die Führung am Mikrophon neben dem wie immer stummen, aber sehr zuverlässigen und überhaupt völlig korrekten Chauffeur übernommen. Man sitzt und schwankt innerlich noch vor sich hin. Die heftig erregte See hatte einen nächtens im Bett hin und her geschoben. Dann war die Durchfahrt zwischen den Äußeren und Inneren Hebriden erfolgt, wo die Wasser ruhig waren und flach wie das sprichwörtliche Bügelbrett. Erleichterung. Aber nicht lange, denn kaum waren die Hebriden (englisch sprich „Hebridies“, also nicht „Hibraids“; selbst Engländer sind über die außerordentliche Aussprache immer wieder erstaunt), kaum waren diese Hebriden verlassen, hob und senkte es uns neuerlich heftig auf und ab.

Castle of Mey: Wo die Queen Mum urlaubteUmso schöner die Freude, nach Hafen, Cliffs und Weiden bei etwas sehr Geschmackvollem angelangt zu sein: dem Castle of Mey, unweit von John O´Groats, an der Nord-Ost-Ecke der großen schottischen Landinsel. Hier urlaubte Queen Mum stets im August und Oktober. Überraschend war es zu erfahren, dass am Tage vor uns erst Prince Charles der Ewige hier weilte. Alles ist hier wie auch sonst im Lande gepflegt und praktisch angelegt, weiterhin gibt es viele Schilder, die auf den „private“-Charakter der jeweiligen Parzelle verweisen. Weiterlesen

„Rund um die Britischen Inseln“ – Teil 7

08.August 2016

Belfast und der hohe Wellengang

Es gibt Städte, die durch einen Konflikt oder eine historische Last weltweit bekannt sind. Zu denken ist etwa an die dunkle Seite Bayreuths.

Unionisten haben ihr Haus bekenntnismäßig ausgestattetKann man einen Blog-Beitrag über das nordirische Belfast schreiben, ohne ausführlicher auf die Jahrzehnte währenden Auseinandersetzungen zwischen Unionisten und Nationalisten, Protestanten und Katholiken einzugehen? Kaum. Allein diese vier genannten Gruppenbezeichnungen sind hier problematisch, da sie allenfalls für Grundprobleme stehen sowie für Interessenlagen. In den verschiedenen Bussen, in denen wir in Gruppen ab der MS Hamburg durch die nordirische Hauptstadt (kleiner als Nürnberg!) gefahren wurden, gingen die Führer unterschiedlich deutlich auf diesen Konflikt ein. Derzeit scheint er demnach pazifiziert, wenigstens gezügelt. Ob die Probleme gelöst sind, darf – so glaube ich – bezweifelt werden. Bestehen sie unter der Oberfläche weiter, würden sie unter anderen Umständen erneut aufbrechen.

Die Crown Bar ist die bekannteste Bar in BelfastSchon in Sichtweite des Hafens Belfast (wo auch noch die „Titanic“ gebaut wurde) beginnen die Viertel, in denen die Demonstrationen das Land immer wieder an den Rand des Bürgerkriegs gebracht haben. Zwei Dinge stechen hier ins Auge: die typischen kleinen Reihenhäuser, in denen durchaus keine reichen Menschen wohnen. Und: Die Abgrenzungen, Nationalflaggen, Absperrungen, Zäune und Darstellungen an den Hauswänden prägen ganze Straßenzüge. Weiterlesen

„Rund um die Britischen Inseln“ – Teil 6

07. August 2016

Irland: gälische Kultur, die sich untergründig behauptet (hat)

Die CV-Schiffsreise in der bewährten Kooperation mit „Biblische Reisen“ hat viele Höhepunkte. Bald ist schon wieder „Bergfest“ – die Hälfte somit erreicht und (v)erlebt – und doch liegt eine besondere Erwartung in der Luft, als die in die Ferne spähenden Blicke der Reisenden von Bord des MS Hamburg aus Irlands Küsten berühren. Man hat in den abgelaufenen Stunden wieder einmal und einmal mehr einen Eindruck bekommen, welche Entfernungen hier über die unendlichen Wassermengen hinweg zu bewältigen sind; und, daraus folgend, wie stark von der Seefahrt überhaupt, von Küsten, Stürmen, Schiffen und Fischerei Großbritannien geprägt sein muss.

An die Abmeldungsprozedur beim Verlassen des Schiffes haben wir uns schon gewöhnt. In den Fluren bilden sich zwar lange Schlagen, in denen die Leute aber nur kurze Zeit warten müssen, bis alle Ausstiegslustigen ihr Bordkärtchen dem adretten jungen Herrn zur Aus-Registrierung hingehalten haben, der sie demnach mit einem Pieps ausliest. Der Ausstiegssteg erscheint solide. Die Busse warten längst. Immer wieder dann, wenn die Fahrzeuge losbrummen, um Teil des jeweiligen Stadtverkehrs zu werden, tauchen die Reiseteilnehmer in eine neue Welt. Hinweise geben per Mikrophon kundig diverse Reiseführer, die sich um die Aufschließung der bevorstehenden neuen Sphären nach Kräften und sehr mit Einfühlsamkeit bemühen.

Zu neuen Ufern aufbrechen, danach stand am gestrigen Vormittag, Sonntag, die Lust. Bereits am Vorabend, Samstagabend, war an Bord in der „Lounge“ eine ökumenische Andacht abgehalten worden. Der evangelische Pfarrer Jörg Seyfried hatte Worte zur Predigt gefunden, die sich an die Gottesdienstgemeinde richteten. Etwa ging es um Vertrauen – wie oft im Leben müssen wir nicht sehr grundlegendes Vertrauen haben? – und auch darum, einmal entspannen zu dürfen. Der Pfarrer bekannte ein, selbst Schwabe zu sein, also von dort zu kommen, wo man gerne schafft und Häusle baut. Trotzdem: Auch einmal entspannen, sich Entspannung gönnen. Soweit ein wichtiger Teil seiner Botschaft.

Auch Reisen, neue Welten kennen lernen und andere Welten erleben, kann entspannend sein; wenn auch im konkreten Fall während der Abendessen die Kreuzfahrenden vielmehr Abspannung befällt. Aber das wirklich – an dieser Stelle sei es gerne einmal gesagt – opulente und exzellente Abendessen erhält in diesen Momenten aufrecht. Mit einem Wort: Es mundet! So gestärkt jedenfalls durch allzeit hervorragende Speisen wie am Sonntagmorgen und durch den Zuspruch von Ermutigung am Vorabend, derart gestärkt also ging es an den Dubliner Docks vorbei Richtung Zentrum der irisch geprägten Hauptstadt gleichnamigen Landes. Bitte? Wie denn sonst als „irisch“?, mag man berechtigt einwenden. Allerdings ist hier irisch gemeint als Kultur, in deren Grund das Keltische nicht nur schlummert, sondern wirkt, wenn auch das Englische die Alleen und Promenaden beherrscht, aber an der Oberfläche.

Stadthäuser in DublinDer Umgang mit der kolonial-englischen Vergangenheit an Ort und Stelle hat Irland im Innersten geprägt. Zum Vergleich denke ich an die Abstoßungsreaktionen in kulturellen Räumen in mehreren Ländern auf dem Balkan heute, westlich des vormaligen Osmanischen Reiches. Die Osmanen hatten dort jahrhundertelange ihr (Un)Wesen getrieben und vielerlei unerwünschte Prägungen hinterlasseb. Ist es so nicht auch mit dem Britischen in Éire, wie Irland „eigentlich“ heißt und sich nennt? Gaeilge, die gälische Sprache Irlands, verdoppelt alle Schilder des öffentlichen Lebens und darüber hinaus. Es steht häufig genug vor dem Englischen. Es ist, als lese man Ungarisch neben dem Deutschen, eine scheinbar sinnlose Aneinanderreihung von Buchstaben, von denen man doch weiß, dass sich einem allein aufgrund der eigenen Unkenntnis der Sinn nicht erschließt. Sprachverwandtschaftliche Beziehungen lassen sich in Einzelfällen erahnen oder erraten. Schon „Dublin“ nennt sich hier gänzlich anders: Baile Átha Cliath. Gut zu wissen. Schon das Englische in der Aussprache, in der es einem Biblisch-Reisenden an Ort und Stelle hier konkret entgegentritt, ist anders als in England. Man muss genauer hinhören, hört sich jedoch bald ein, um es sofort zu verstehen. Schöner Schnörkel: Allerseits wird man begrüßt mit den frohen Worten „Hi guys“. Es geht unformeller zu. Spontan, praktisch und vom Klima des Atlantik geprägt, ist die Lebensbewältigung. Weiterlesen

„Rund um die Britischen Inseln“ – Teil 5

06. August 2016

Ganz in England: Exeter und (zuvor) Agatha Christies Tanz-Pavillon

Ein Tenderboot bringt Passagiere vom Schiff an Land und kann gelegentlich im Wasser gehörig schaukeln: wie eine Nussschale. So zu erfahren während des Landganges am Freitagmittag, der zunächst nach Torquay führte, nach einem südwestenglischen Küstenbad, dessen lustiges Riesenrad gleich neben dem Hafenbecken weithin grüßt und wo sich im benachbart gelegenen Jugendstil-Tanzpavillon einstens auch Agatha Christie vergnügte. Riesenrad und Jugendstil-Pavillon: zunächst war man hingegen recht froh, dem im Wellengang tanzenden Schiffchen entstiegen oder gar entkommen zu sein.

Eigentlich sollte hier gar nicht so viel die Rede sein von Torquay (sprich „Toarkie“), sondern von Exeter, das einige Kilometer den River Exe entlang landeinwärts liegt. Auch und vor allem nach Exeter also richtete sich der Ausflug. Doch allein der ortsansässige Männerchor, der die erleichtert dem Schaukelabenteuer des Tenders Entstiegenen mit lauter Gesangsbeschallung ermunterte, war der berühmte Auftakt nach Maß, garniert mit dem handfesten Handschlag des Bürgermeisters der kleinen Hafenmetropole.

Torquay befreite uns außerdem von der Sorge, noch nicht ganz im richtigen, echten England angekommen zu sein. Eine übrigens ganz und gar unbegründete Sorge. In Dover, das wie ein vorgeschobener Posten Festlandseuropas erscheint, ist man sich dieser Tatsache nie ganz sicher. Natürlich ist Dover auch schon sehr englisch (wenn wir nur überhaupt zu sagen wüssten, wofür „englisch“ steht). Aber der Reisende ist, aus der Alltagswelt genommen, ohnehin verunsichert und klammert sich an manche Erklärung, die bei näherer Betrachtung im schalen Alltagslicht keineswegs erhellend wirkt. Jedenfalls mag es nicht zuletzt mit der fortschreitenden Anzahl der Tage in Verbindung zu sehen sein, dass wir uns sicher waren, richtig in England angelangt zu sein. Eventuell hatte auch die Erwähnung Agatha Christies in diese Richtung gewirkt. Denn was oder wer mag typischer sein für „die Englischen“ als die Erfinderin Miss Marples?

Beruhigend, dass womöglich nicht so sehr die USA der oft zitierte melting polt vulgo Schmelztiegel sind, in dem sich Kulturen vermengen, sondern, wenigstens ausgangsweise, England: Im Bus, der von schweigsamen englischen Chauffeuren mit blauen Krawatten sicher auf verschlungenen Küsten-Auf-und-Abs gesteuert wurde, stellte sich Anastasia Schill als unsere Führerin des Tages vor, die manch Insiderisches aus Devon zu berichten hatte. Frau Schill ist Russlanddeutsche. Und Devon ist, kurz sei es gesagt, das County mit dem Hauptort Exeter. Noch weiter westlich liegt dann nur noch Cornwall. Etymologisch betrachtet, dürfte es allerdings nichts mit einer „Getreidemauer“ zu tun haben. Vielmehr ist dies keltischen Ursprungs. Darauf möchte ich wetten. Anastasia ist in Plymouth verheiratet, wo sie eine gute neue Heimat gefunden hat.

Leben und Weben auf dem Kathdralplatz very english„Isca“ jedenfalls, teilte uns Anastasia Schill in ihrer neuen Heimat mit, sei der römische Name des Flusses in hiesiger Gegend. Ich gehe sehr auch von einem keltischen Ursprung dieses Flussnamens aus. Davon abgeleitet wiederum der Name des schmucken Exeter, in das hinein wir am gestrigen Tag durch lange Staus hindurch gequält wurden. Von „Exeter“ abgeleitet schließlich die Bezeichnung für die Einwohner der kathedralgekrönten und geographisch etwas abseits liegenden schönen Stadt, als „Exonians“ bezeichnet, die sich, wenn man den Darlegungen Frau Schills folgt, für irgendwie besser als die von Plymouth, der unweit liegenden Konkurrenzstadt, halten. Plymouth, wo sie mit ihrem Mann lebt, liegt in Cornwall. Genannt werden diese Plymouther korrekt „Plymonians“, war nun zu erfahren. Exeter wurde übrigens wie auch Canterbury Opfer schrecklichter german airraids, und das 1942, Angeblich wie Canterbury als Vergeltung für Bombardements in Köln dieses, Exeter, für Lübeck. Doch lieber zurück zu Jugendstil-Tanzpavillon Agatha Christies und, long long ago: zu den Römern, die auch schon hier waren.

Mauern in Exeter mit Führerin Anastasia SchillDicke Mauern noch vor dem Zugang zur mittelalterlichen Ringstadt säumen den Anweg Exeters. Man erahnt, wie sich die Römer am River Exe bauender Weise Herrschaft bahnten und brachen. Bauen ist mehr als ein Aufeinanderschichten von Steinen, nämlich eine sichtbare Form von Herrschaft. Vom britischen Realismus, will sagen: Pragmatismus hatten wir es in den vorliegenden Reisedarlegungen unlängst. Es ist überaus interessant zu sehen, wie sich römischer Wille zur Herrschaft, von Realismus gesättigt und dann grausam, wenn es nötig erschien (vgl. Lion Feuchtwanger, Der Jüdische Krieg), wie sich römische Herrschaft und britischer Pragmatismus in eins setzen. Lokal lässt sich dies gerade an den Steinen Exeters ablesen. Gekrönt aber wird die Stadt mit dem echten Juwel der Kathedrale St. Peter, die für ihre Schönheit ein ziemlich unbekanntes Dasein führt. Umso besser.

Most lovely Exeter Cathedral von außen leicht unterschätztDiese Kathedrale stellt sich wunderschön renoviert vor. Ihre mit Heiligen verzierte Westfassade strebt weniger empor denn üblich. Das wirkt, als wollte die Kathedrale die Sandsteine vor dem atlantischen Klima mit seinen Auswaschungsverregnungen nach Möglichkeit bewahren. Und die beinahe 100 Meter Kreuzrippengewölbe an der Decke sind einfach – nein. Schreiben wir hier nicht unbeschreiblich: Weiterlesen

„Rund um die Britischen Inseln“ – Teil 4

05. August 2016

Von englischer Herrschaft, einem Bekenner und einer ölgetriebenen Madame Baillie

Gestern und morgen – solange es noch genug Tage vor uns gibt, verschwimmt die Zeit mitsamt ihrer Wahrnehmung. Immerhin liegt das Gestern noch in guter Erinnerung, auch wenn das englische Wiedersehen in der Grafschaft Kent ein vielfältiges war: England mit seinen tapferen Bewohnern ist und bleibt Stärke und Schwäche durch die Insellage zugleich. Alles ist irgendwie eng und auf selbstverständliche Identitätswahrung hin angelegt, so selbstverständlich, dass das Majestätische, das England ja durchaus hat („Her Majesty“), immer und überall durchscheint, allerdings unaufdringlich. Es ließe sich mutmaßen, hier läge das britische Understatement begründet. Wobei dann der Gedanke nicht ferne liegt, dass das Weltreich gerade die Ausdehnung (und Überdehnung) dieses Understatements im geographischen Sinne war. Es ist schon schön zu bemerken: Vieles an alter Architektur, will sagen: Ruhm (der sich baulich bemerkbar macht), vieles an altem Stolz in England, Kleinstadt und Dorf und wo noch, ist verblüht, und doch anscheinend nicht vergangen.
Und das Neue, das darauf aufruht, ist durchaus nicht in komischer Sphäre. Es ist handfest, wie ein Abbild des atlantischen Klimas mit heftigen Regengüssen aus rasch dahin gewehten Wolken, aber auch mit abgrenzenden Steinmauern, die wie Steinhaufen sind zwischen benachbarten Wiesen- und Feldparzellen, die das britisch-gesunde Verhältnis zum Prinzip des Eigentums anschaulich machen wie wohl nur wenig anderes.

Ohne Zahl sind im Übrigen die Stellen und Orte, an denen das schier unvermeidliche „Private“ oder „Private property“ prangt. Was mich gleich gestern, als diese Schilder in erheblicher Anzahl immer wieder vor mir auftauchten, gleich an unsere Versuche vor Jahrzehnten gemahnten, als jugendliche Rucksacktouristen im Freien zu nächtigen, wobei ein distinguierter Herr mit Schniepel und schwarzem Regenschirm erschien, von sich gebend, und zwar in hohen Tönen: „This is private property, you cannot sleep here.“ Alles Klischee? Alles Vorurteil?

Also England. Da ist Dover mit seinen Klippen („cliffs“), das wir gestern angelaufen und doch auch gleich wieder selbigen Tags hinter uns gelassen haben. Wehrhaftigkeit, praktischer Sinn und rau wehende Lüfte prägen das Gesamtbild.

 Canterbury„Canterbury“, dessen Laut allein des Theologen sowie überhaupt des kulturell Interessierten Ohr aufhorchen lässt, Canterbury also erscheint als geistliches Zentrum des Anglikanismus wie ein größeres – pardon – Dorf mit ziemlich erhaltener Ummauerung; Weiterlesen

Die Felsen von Dover grüßen … – „Rund um die Britischen Inseln“ – Teil 3

04. August 2016

Transportschiffe als Nachbarn… nach geschaukelter Nacht liegen wir vor England. Die Wellen wogten, das waren wohl die Fünf-Meter-Wellen, die das Schiff hoben und senkten. Wer es nicht kennt, auch im Halbschlaf wieder und wieder den Aufhub wie auch das Niedersinken zu erleben, braucht Zeit, die Angst zu bändigen, unerwartet zu kentern …

 

 

Tag 3 Veit Neumann vor der NordseeEigentlich beginnt die Reise jetzt erst so richtig. Angesichts der steilen Felsen, ja der nüchternen Uferbefestigungen sowie der Bedeutung Dovers in vielerlei Hinsicht scheint die Reise jetzt erst so richtig zu beginnen. Wie wird England sein? Noch das von 1986, als zum Beispiel ich es letztmals sah? Wie auch dem sei. Erinnerungsfetzen des bereits an Bord Geschehenen spielen sich in vielen Köpfen ab, während sich die Schlange, von Ukrainern und wohl Malayen sanft umgeben, am Frühstücksbüfett vorüberschiebt. Gestern noch Gala-Empfang mit fotografischer Aufnahme zusamt Kapitän, der ein gebrochenes, wenn auch solides Deutsch an den Tag legt.

Diner mit Dr Emrich und KapitänUnd Gala-Dîner. Überhaupt: das Essen. Am besten verlegt man sich auf Fisch und Ei; und übersieht angestrengt die süß-lockenden Desserts aus Schoko-Baiser und hauptsächlich viel Zucker. Das Obst, fein geschnittene Ananas, ja aufgetane kleine Granatäpfel und was das Auge sonst noch begehrt, grüßt jeweils.

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