Die Felsen von Dover grüßen … – „Rund um die Britischen Inseln“ – Teil 3

04. August 2016

Transportschiffe als Nachbarn… nach geschaukelter Nacht liegen wir vor England. Die Wellen wogten, das waren wohl die Fünf-Meter-Wellen, die das Schiff hoben und senkten. Wer es nicht kennt, auch im Halbschlaf wieder und wieder den Aufhub wie auch das Niedersinken zu erleben, braucht Zeit, die Angst zu bändigen, unerwartet zu kentern …

 

 

Tag 3 Veit Neumann vor der NordseeEigentlich beginnt die Reise jetzt erst so richtig. Angesichts der steilen Felsen, ja der nüchternen Uferbefestigungen sowie der Bedeutung Dovers in vielerlei Hinsicht scheint die Reise jetzt erst so richtig zu beginnen. Wie wird England sein? Noch das von 1986, als zum Beispiel ich es letztmals sah? Wie auch dem sei. Erinnerungsfetzen des bereits an Bord Geschehenen spielen sich in vielen Köpfen ab, während sich die Schlange, von Ukrainern und wohl Malayen sanft umgeben, am Frühstücksbüfett vorüberschiebt. Gestern noch Gala-Empfang mit fotografischer Aufnahme zusamt Kapitän, der ein gebrochenes, wenn auch solides Deutsch an den Tag legt.

Diner mit Dr Emrich und KapitänUnd Gala-Dîner. Überhaupt: das Essen. Am besten verlegt man sich auf Fisch und Ei; und übersieht angestrengt die süß-lockenden Desserts aus Schoko-Baiser und hauptsächlich viel Zucker. Das Obst, fein geschnittene Ananas, ja aufgetane kleine Granatäpfel und was das Auge sonst noch begehrt, grüßt jeweils.

 

Am Vorabend im Übrigen hat sich der Schiffspianist aus Münster, Daniel Paterok, auffällig hervorgetan. Boogie Woogie-Abend im überdachten Palmgarten war angesagt, und zunächst noch hatte sich die ziemlich überschaubare Gruppe der Unterhaltungslustigen eher übers Tischchen hinweg unterhalten, bis der Virtuos-Berserker alle Aufmerksamkeit zu sich gespielt hatte. Es ging, wie wohl Boogie-mäßig üblich, vor allem um Stomps und Stücke, die das Lieblingsfahrzeug damit in Verbindung, die Eisenbahn, mit der Basshand imitieren lassen: Chattanaga-Choo-Choo, Night train, Take the A-Train, aber auch Eigenkompositionen, gab er. Ein Potpourri aus Rhythmen, das schaukelnde Schiff, die imaginierte Lokomotive aus den Tasten, das Klatschen der zunehmend mitgehenden Publika – der ganze Gestalt annehmende Urlaub, der sich hier verdichtete. Wenn auch das Eigentliche erst noch bevorstand: England. Bis dorthin galt es allerdings, erst eine kurze Nacht lang durchgeschüttelt zu werden.

Zwischenzeitliches Geschenk „des Hauses“: eine Stunde Schlaf dazu (die allerdings, wie ein Verantwortlicher am Mikrophon feixte, wieder zurückzugeben sein wird.