Stadt, Land, Fluss, … Luther!

Im Rahmen ihres Vikariats in der Ev. Landeskirche in Württemberg hat Katrin Sauer ein 8-wöchiges Praktikum bei uns absolviert.
Um den besonderen Charakter unserer Reisen selbst einmal kennenzlernen, begleitete sie die Studien-Kreuzfahrt „Auf den Spuren der Reformation“.
Die dabei gewonnenen Einblicke kann sie sicherlich gut in ihre Doktorarbeit einfließen lassen, die sie gerade im Themenbereich „Freizeit und Tourismus in der EKD“ verfasst.

„Auf den Spuren der Reformation“ von Berlin nach Dresden

Ankunft in Berlin: und dort gleich Luther! Denn als erstes steht für gut die Hälfte der Reisegruppe die Lutherausstellung „Der Luthereffekt. 500 Jahre Protestantismus in der Welt“ auf dem Programm. Überall finden sich hier Stimmen von Menschen, aus Schweden, Amerika, Tansania, Asien und anderen Ländern. Sie hatten Texte zu ihrem Glauben verfasst oder auf Video aufgenommen, begleitet von vielen Bildern, Gemälden und alten Kunstgegenständen. Beeindruckend finde ich dabei besonders eine Reihe von neueren Bildern eines koreanischen Künstlers, der die Lebensgeschichte Jesu in einer koreanischen Version gezeichnet hat. So wurde aus dem Jerusalemer ein asiatischer Tempel, aus den römischen Soldaten Japanern und aus Jesus ein gutaussehender Koreaner.

Anschließend beginnt die Reise auf der sehr bequemen MS Sans Souci. Wir werden durch den Kapitän und das Bordpersonal herzlich begrüßt, dass die ganze Zeit über immer sehr aufmerksam um unser Wohl besorgt war. So wurde besonders jedes Abendessen zu einem kulinarischen Genuss.

Als erste Etappe steuern wir dann Potsdam an. Dort haben wir Gelegenheit, bei strahlendem Sonnenschein das Schloss Sanssouci und seine Gärten zu erkunden. Die vielen Seerosenteiche, bunt blühende Blumen, Springbrunnen und antike Figuren rahmen das Schloss und laden zum Flanieren ein. Wieder an Bord kann man dann abends bei einem Glas Wein entspannt den Tag ausklingen lassen.

Es ist eine schöne Gelegenheit, meine Reisegefährten und die Reiseleiter besser kennen zu lernen. Mit so einer angenehmen Gruppe war ich

selten unterwegs.

An Deck genießen wir den Sonnenuntergang, während wir ruhig die Havel entlangschippern und die Landschaft gemächlich an uns vorbei-ziehen lassen. Da wundert es nicht, dass das Schiff ganz zu Recht ebenfalls „Sans Souci“ heißt − oder ein Wolkenkreuz die Abendstimmung perfekt macht. Zum ersten Mal seit langem merke ich wieder, wie es sich anfühlt, die Seele einfach mal baumeln zu lassen…

Neben der Entspannung an Bord sind die folgenden Tage ein eindrucksvoller, immer wieder auch bewegender Gang durch die Geschichte. Die beiden Reiseleiter, Herr Heinrich und Frau Zenz, vermitteln uns dabei im Bus und unterwegs immer wieder viele interessante Information. Schnell wird spürbar, wie sehr sich die beiden selbst für die von uns besuchten Orte begeistern, wie z.B. für den Magdeburger Dom. Der lässt einen aber nicht nur auf den Spuren von Otto dem Großen und seiner Königin Editha wandeln. Die hellen, lichtdurchfluteten Räume vermitteln vielmehr – trotz aller anderen Besucherinnen und Besucher − voll und ganz die Ruhe des alten Gebetsortes.

In Wörlitz machten wir bei schönstem Sonnenschein eine Bootsfahrt durch die herrlichen Gartenanlagen. Schon Goethe schrieb über diesen Ort:

„Hier ists jetzt unendlich schön. Mich hats gestern Abend, wie wir durch die Seen, Kanäle und Wäldchen schlichen, sehr gerührt, wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben, einen Traum um sich herum zu schaffen.“

Das Schloss erinnert mich an eine Romanverfilmung von Jane Austin. Wer romantisch veranlagt ist, und auch mal wie schon Goethe in diese englisch-antike gärtnerische Pracht eintauchen möchte, ist hier genau richtig! Doch der Tag hält noch mehr für uns bereit: es geht nach Wittenberg, und ich kann nur sagen: Wittenberg hat den Wow-Effekt! Die ganze Stadt scheint einen mit ihrer emsigen Betriebsamkeit noch einmal besonders herzlich im Reformationsjubiläum willkommen zu heißen! Überall Ausstellungen, Angebote und interessierte Besucher aus aller Welt.

Und trotzdem berühren einen die Orte die man sieht ganz persönlich. Im Garten von Melanchthon erfahre ich zu meiner Überraschung, wie sehr das bekannte Sprachengenie sich auch praktisch für die Naturwissenschaft interessierte. Lukas Cranach ist ebenfalls überall in seinen unvergleichlichen Gemälden präsent. Und im Lutherhaus sieht man förmlich noch Luther selbst an dem alten Tisch sitzen, umgeben von Familie, Freunden und Studenten, wie er eine passionierte Rede hält, während Katharina von Bora das Abendessen beaufsichtigt und zugleich aufmerksam zuhört.

Doch auch wenn die Schlosskirche in Wittenberg sehr beeindruckend ist, so war es doch nicht die erste evangelische Kirche, wie eine Fahrt nach Torgau verrät. Denn es ist die dortige Schlosskirche von Schloss Hartenfels, der diese Ehre gebührt.

Auch der dortige Wendelstein ist sehenswert. Überraschend ist für mich aber nicht nur, dass das Schloss immer noch einen Bärengraben pflegt, in dem echte Bären über den Schutz des Hauses wachen, sondern auch, dass die Werbung für das Lutherjahr manchmal mit einem Augenzwinkern verbunden ist.

 

Tragisch hingegen ist die Entdeckung, wie leidvoll das Leben von Katharina von Bora zu Ende ging: nach einem schweren Unfall und monatelangen Leid. Die Höhen und Tiefen im Leben dieser Frau bewegen mich sehr und ich weiß schon jetzt, mit wessen Biographie ich mich demnächst intensiver auseinandersetzen will.

In Meißen endet das bis dahin großartige Sommerwetter: es fängt zu regnen an. Doch dem Blick über die gut erhaltene geschichtsträchtige Stadt vom alten Meißener Dom aus tut diesem Anblick keinen Abbruch.

Nach diesem Tag fahren wir wieder zurück, allerdings ins Hotel. Denn inzwischen haben wir das Schiff verlassen müssen: die Elbe hat Niedrigwasser, die MS Sans Souci kann nicht bis nach Dresden fahren und wir sind – nach einem wunderbaren abschließenden Captains Dinner an Bord – in ein dortiges Hotel umgezogen.

Die Zimmer sind aber so großzügig eingerichtet und mit einem tollen Blick auf die Elbe ausgestattet, so dass es richtig Freude macht, hier wohnen zu dürfen. Das Haus liegt wunderbar zentral, gleich ums Eck von der Semperoper und den alten Meistern. Dorthin führt uns ein Stadtrundgang, der auch das Grüne Gewölbe und die Frauenkirche einschließt. Dort, wie auch schon an einigen anderen Orten, begrüßt uns vor der Kirche ein Lutherstandbild.

Bei den alten Meistern muss ich sagen: ich finde es immer wieder beeindruckend, welche Ausstrahlung die Bilder von Raffael oder Vermeer besitzen, wie diese Künstler es schaffen, durch Licht und Farbe ihre ganz eigene Sicht auf die Welt mit anderen zu teilen. Dies gelingt auch Musikern gut, wie der beschließende Abend in der Semperoper uns ganz deutlich zeigt: beim ersten Sinfoniekonzert der sächsischen Staatsorchesters, unter der Leitung von Christian Thielemann. Die Energie, die zwischen Dirigent, dem großartigen Violinisten Nikolai Znaider und dem Orchester fließt, lässt mich Gänsehaut kriegen. Bei einem Glas Champagner stoßen wir in der Pause nochmal auf die gemeinsame Zeit an – ein krönender Abschluss für eine wunderschöne Reise!

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