Malta, warum nicht Malta?

Israel? – waren wir schon drei Mal. Jordanien? Auch schon! Syrien, Türkei, Irland, Griechenland, Spanien, Italien, Zypern – alles schon abgeklappert. Ja, was bleibt da eigentlich noch? Ja, manchem und mancher hat die Suche nach neuen Zielen schon schlaflose Nächte bereitet. Da muss ja soviel irgendwie passen! Das Zielland soll interessant sein, nicht zu weit weg, soll auch ‘was Theologisches und ‘ne spannende Geschichte haben, Orte, um einen Gottesdienst feiern zu können, gut erreichbare archäologische Stätten mit sauberen Toiletten. Ja, regnen soll es möglichst nicht, zu heiß darf es natürlich auch nicht sein, gutes Essen und guter Wein, okay, wäre nicht zu verachten, ein schönes Hotel so richtig mittendrin, Gelegenheiten zu einem Spaziergang mit abschließendem leckeren Bierchen, wechselvolle Landschaften, die Verständigung muss halbwegs klappen und sicher muss das Land auch sein, und kosten soll es auch nicht viel. Ja – wohin?

Malta – warum nicht Malta?

Flugzeit von Frankfurt 2 Stunden 15. Keine langen Fahrten, gute Hotels, mehr als 330 Sonnentage pro Jahr. Verständigung – kein Problem, jeder kann Englisch, viele sprechen auch Deutsch. Und – noch besser: Paulus war dort. Paulus ist der Heilige der Insel, überall ist er präsent. Und über ihn gibt es doch so viel Wichtiges und geradezu Unglaubliches zu erzählen.

Zahlreiche Kulturen hinterließen ihre Spuren

Aber Malta hat nicht nur Paulus zu bieten, sondern eine spannende, oft auch geheimnisvolle Vermischung zahlreicher Kulturen. Phönizier, Punier, Römer,  Byzantiner, Araber, Fürstenhäuser aus fast ganz Europa, und schließlich die Engländer drückten der Insel ihren Stempel auf und hinterließen Spuren in Stein und Sprache. Und die unglaublich eindrucksvollen Tempelbauten von Hagar Qim und Mnajdra, Ggantija und Tarxien aus der Zeit der sog. Tempelepoche (ca. 4100 – 2500 v.Chr.) sind weltweit einmalig und gehören folgerichtig zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Doch das ist längst nicht alles! Die atemberaubende Geschichte des Ordens der Johanniter begleitet den Besucher nirgendwo in Europa so nah, so packend wie in Valletta. Johannitergeschichte auf Schritt und Tritt. Auch sichtbar in Mdina, der ehemaligen Hauptstadt, mit ihren engen Gassen, ihren wuchtigen Festungsmauern, barocken Kirchen und eleganten Palästen. Und so erläuft man sich im wahrsten Sinne des Wortes Stück um Stück der Ordensgeschichte, die ihre Kraft aus der widersprüchlichen Kombination von Heilen und Kämpfen holte. In der Ordenskathedrale, dem Johannes geweiht, spürt man auch etwas davon, dass die Johanniter – man glaubt es kaum – Mönche waren.

Der osmanischen Armee Widerstand geleistet

Was dieser Orden in der Zeit zwischen 1530 und 1798 auf dieser Insel hingekriegt hat, wird auch aus anderen Perspektiven gut sichtbar, z.B. vom Schiff. Die Hafenrundfahrt durch den größten Naturhafen des Mittelmeeres lässt den Besucher aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen. Jetzt wird verständlich, wieso das kleine Malta im Sommer 1565 der besten Armee der damaligen Welt, der osmanischen nämlich, erfolgreich Widerstand leisten konnte und sie am 8.9.1565 geschlagen nach Hause schickte. Und Suleiman der Prächtige verfluchte den Tag, an dem er die Johanniter von Rhodos hatte abziehen lassen. Dieser Sieg hatte gravierende Auswirkungen auf die europäische Geschichte. Die abwechsungsreiche Geschichte Maltas ist aber auch im Nationalmuseum in Valletta, im Wignacourt-Museum von Rabat oder in der Malta Experience-Multivisionsschau eindrücklich präsent.

Okay, Malta hat ohne Gozo eine Fläche von 246 km². Man kriegt schon mit, dass hier fast 1500 Menschen auf einem Quadratkilometer leben. Viel Beton und wegen des chronischen Wassermangels keine Wälder. Aber – dafür entschädigen zwei tolle Parkanlagen, die natürlich auch von den Johanniterfürsten angelegt wurden: Der botanische Garten von San Anton und Busketto Gardens. Blühende Blumen, schattenspendende Bäume, nur Grün und Schatten, echte Perlen. Zu den landschaftlichen Schönheiten gehören aber auch die schroff ins Meer abstürzenden, faszinierenden Felsformationen. Ob Blaue Grotte, Dingli-Felsen, Dwejra- oder Paulusbucht, da muss man hin und seine Augen weiden lassen.

Zu Malta gehören noch weitere Inseln, nämlich Comino, Cominetto, Fifla und – Gozo. Und nach Gozo muss man – unbedingt. Man glaubt es kaum, dass Gozo mit seinen gerade mal 67 km² so viel anderes bietet als das nur vier Kilometer entfernte Malta. Und ob Tempelanlagen, Johanniterbauten, barocke Kirchen oder gemütliche Cafes, Gozo ist richtig gut.

Sicher aufgehoben in Malta

Längst nicht alles kann hier aufgezählt werden, was Malta so schön macht. Zwei Aspekte sind mir aber doch sehr wichtig: Wir reden so oft von schlecht besuchten Gottesdiensten, verwaisten Kirchengebäuden, unbesetzten Pfarrstellen und Kirchenaustritten und denken, mit dem Christentum sei es bald vorbei. In Malta besuchen knapp 60% der Bevölkerung jeden Sonntag die Gottesdienste! Gozo hat ein eigenes Priesterseminar mit gegenwärtig 15 Priesteramtskandidaten. Priestermangel – Fehlanzeige. Malteser praktizieren ihren Glauben. Knapp 400 Gläubige kommen statistisch auf einen Priester. Kaum zu glauben, aber wahr. Und wahr ist auch, dass es kaum ein anderes Land weltweit gibt, in dem Sie so sicher aufgehoben sind wie in Malta. Also, wohin geht die nächste Reise? Na klar – nach Malta! Und noch was Gutes: die Getränke sind richtig billig!

Pfarrer Dr. Johannes Altmann
Reiseleiter

Kategorie Reiseziele

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