1700 Jahre jüdisches Leben an Rhein, Main und Neckar

Ein Bericht zur Reise vom 11.-16. Oktober 2021

„Höre Israel“ (Dtn 6,4) : den Worten Gottes und Glaubensbekenntnis der Juden haben wir uns auf der Studienreise des dkv – Essen und Biblische Reisen genähert. Das Judentum als Grundlage des christlichen Glaubens erneut wahrzunehmen und die prägende Kultur des jüdischen Lebens zu erfahren hat uns diese Reise ermöglicht.

Unser Ausgangspunkt Mainz gehört wie Speyer und Worms zu den SchUM-Städten, einem jüdischen Gemeindeverbund seit dem 11. Jh., seit Juli diesen Jahres Welterbe.

Neue Synagoge in Mainz

Neue Synagoge in Mainz

 

 

 

 

 

Ob Friedhöfe, alte und neue Synagogen, Mikwe oder alte jüdische Stadtviertel: die Spuren jüdischen Lebens sind trotz wiederkehrender Verfolgungs- und Vernichtungsaktionen gegen die Menschen und ihr Kulturgut zu finden. Die Architektur der neuen Synagoge in Mainz weist auf das Wort „Keduscha“ – „Heilig ist Gott“. Die Gemeinde hat inzwischen einen Einzugsbereich von ganz Rheinhessen. Im Frankfurter Bibelhaus Erlebnismuseum wurde uns mit großer Lebendigkeit die Geschichte von Sara, der Erzmutter Israels, dargestellt. Im größten jüdischen Museum wurde anhand einzelner Biografien  von Vertriebenen ihre Lebensgeschichte dargestellt. Um 1950 haben sie  als „Displaced Person“ in Lagern gelebt. Über den Grundmauern des ehemaligen Ghettos befindet sich der zweite Gebäudekomplex des Museums. Das Ghetto wurde von 1462 bis ins 19.Jh. zunächst von 100, zuletzt von 3000 Menschen bewohnt.

Die Verknüpfung und Beziehung zwischen Christen und Juden im Laufe der Geschichte führte uns auch zu den Bischofsstätten von Mainz, Speyer und Worms, zur Ruine der sogenannten Werner-Kapelle in Bacharach,  nach Bingen zu einem regen Förderverein, zu den Chagallfenstern in St. Stephan, Mainz und zur karolingischen Torhalle in Lorsch (Kulturerbe).

Wir haben uns mit den Gelehrten und Rabbinern Gerschom ben Jehuda ( bis ca. 1040) und Rabbi Salomo ben Isaak, genannt Ruschi (1040-1105), vertraut gemacht. Deren Kommentare und Lehrstoffe finden heute noch in der Talmudarbeit große Beachtung. Ein persönliches Gespräch mit dem Rabbi der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg machte deutlich, wie wichtig der Dialog zwischen den Religionen ist. Als Christen und Gesellschaft sind wir gefordert gut zuzuhören, wahrzunehmen, ein eigenes Urteil zu bilden, nicht wegzuschauen und Zeichen zu setzen.

Den Abschluss der intensiven Reise haben wir mit einem Gottesdienst in St. Stephan abrunden können. Unser kompetenter und sorgfältig vorbereiteter Reiseleiter vor Ort hat uns umsichtig durch diese Tage begleitet.

Verfasserin: Mechthild Ide

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