1999 – Getestet und für gut befunden
Weltpolitisch steht dieses Jahr unter dem Eindruck des Krieges in Jugoslawien, an dem sich innerhalb des NATO-Bündnisses auch die Bundeswehr beteiligt. Kirchenpolitisch ist die vom Lutherischen Weltbund und der römisch-katholischen Kirche verkündete „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von großer Bedeutung. Die gegenseitigen Lehrverurteilungen von Lutheranern und Katholiken aus dem 16. Jh. werden zurückgenommen, so dass ein zentrales Dokument der Ökumenischen Bewegung entsteht, der Biblische Reisen von Anfang an zugetan war. Für Biblische Reisen auch in anderer Hinsicht ein wichtiges Jahr: Die „Stiftung Warentest“ vergleicht neun Studienreise-Anbieter miteinander und bewertet unsere anonym von einer Testerin begleitete Jordanien-Reise mit der Bestnote „Positiv“. Im Artikel der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift steht u.a. der schöne Satz: „…Unsere Testerin, obwohl keine praktizierende Christin, fühlte sich überaus wohl.“ Und der Reisekatalog 1999 erscheint erstmals im größeren A4-Format. Last but not least gehört Biblische Reisen nun zum fast elitären Kreis der „Lufthansa Partner Tours“, in den nur „ausgewählte Spezialveranstalter aufgenommen werden, die ihre Professionalität und Innovationsfreudigkeit in der Praxis bewiesen haben“.
60 Jahre Biblische Reisen – das Jahr 1998
1998 – Neue Reiseländer und neue Reiseideen
Im Katalog 1998 feiern allein drei neue Reiseländer Premiere: Äthiopien, Armenien und Georgien! Erstmals geht es auf jüdische Spurensuche und zur Begegnung mit dem Christentum abessinischer Prägung in das „Land des Löwen von Juda“. Die beiden ältesten christlichen Staatsvölker der Geschichte, Armenien und Georgien, werden mit einer kombinierten Reise besucht. Die „Kirchen und Klöster des Kaukasus“ sind bis heute wichtige Besuchspunkte zum Verständnis des ganz frühen Christentums, das sich hier ausbildete. Aber erst ab dem Jahr 2001 fing der Tourismus nach Armenien an zu „boomen“, denn in dem Jahr feierte man 1700 Jahre Christentum, das dort bereits im Jahr 301 zur Staatsreligion erklärt wurde. Mittlerweile zählt Biblische Reisen zu den bedeutendsten Reiseanbietern für Armenien und Georgien. Aber auch in der Nähe gibt es 1998 ganz neue Reisen: Eine Sonderreise zum 900-jährigen Bestehen des Zisterzienserordens führt in den Folgejahren dazu, dass Busreisen ins Burgund immer mehr an Bedeutung gewinnen. Eine ganz neue Reiseform sind kombinierte Wander- und Fastenreisen, die die ganzheitliche Erfahrung des Menschen im „Unterwegssein“ in den Vordergrund stellen. Ziele sind Süddeutschland und Österreich, aber auch im Heiligen Land versucht man sich an diesem Thema, das in dieser Zeit Hochkonjunktur hat…
60 Jahre Biblische Reisen – das Jahr 1997
1997 – Ab jetzt stehen unsere Reisen unter dem Motto „Kulturen erleben – Menschen begegnen“. Im Vorwort des neuen Reisekataloges wird der bis heute gültige Anspruch und inhaltliche Kompass von Biblische Reisen zum sinn- und anspruchsvollen Tourismus nochmals prägnant dargestellt: „…. Wir laden Sie ein, Grenzen und Vorurteile zu überwinden, auf die Menschen Ihres Gastlandes zuzugehen und im zunächst Fremden gar Eigenes zu erkennen. …. Als Christen reisen wir in ökumenischer Gesinnung, in bescheidener Zurückhaltung und mit dem echten Wunsch, mehr über die Menschen, die Kultur und Religion des jeweiligen Gastlandes zu erfahren. …“. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen! Dieses Jahr ist aber auch ein Trauriges: Der Theologische Leiter Klaus Behrendt stirbt im Oktober nach kurzer, schwerer Krankheit mit nur 47 Jahren. Sein geliebtes Reiseland Ägypten erlebt im September und November zwei schwere Terroranschläge, die sich gezielt gegen Touristen richten – und damit zu einem merklichen Rückgang des Tourismus in das Land am Nil führen. In den nächsten Jahren erholt sich das Land aber sehr rasch und bleibt eines der wichtigsten Reiseziele der Biblischen Reisen. Im April dieses ereignisreichen Jahres geschieht aber auch ein kleines Wunder, denn das Turiner Grabtuch wird während eines Großbrandes im Dom unbeschädigt aus den Flammen gerettet.
60 Jahre Biblische Reisen – das Jahr 1996
1996 – Stabwechsel und Ende einer Ära!
Kurt Speidel, unter dessen Leitung Biblische Reisen aus kleinsten Anfängen zu einem beachtlichen Unternehmen mit gutem Ruf geworden ist, tritt in den Ruhestand. Mit einem würdigen Festakt im Hotel Inter-Continental Stuttgart (seit 2004 Le Meridien) und zahlreichen Gästen aus aller Welt wird er am 22. Januar zum 1. Februar verabschiedet. Seine Nachfolgerin, die Betriebswirtin Frau Gisela Meyer-Amler übernimmt das Ruder und tritt in große Fußstapfen. Die theologische Leitung wird dem Prokuristen und stellvertretenden Geschäftsführer Klaus Behrendt anvertraut. Der Reisekatalog 1996 ist noch umfangreicher geworden und wird erstmals – man mag es nicht glauben – durchgehend farbig gedruckt und neu geordnet! Das neue Motto „Reisen mit Geschichte“ bleibt allerdings eine Übergangslösung, die bereits ab 1997 Jahr bis zum heutigen Tag vom Slogan „Kulturen erleben – Menschen begegnen“ abgelöst wird. Zwei See- und zwei Flusskreuzfahrten runden das abwechslungsreiche Angebot ab. Und was passiert sonst noch in der Welt? Neben zahlreichen Umwelt- und Flugzeugkatastrophen (darunter der Absturz der Birgenair-Maschine über der Dominikanischen Republik mit 164 deutschen Touristen an Bord) bestimmen das geklonte Schaf Dolly und der Börsengang der Deutschen Telekom die Schlagzeilen dieses Jahres.
60 Jahre Biblische Reisen – das Jahr 1995
1995 – Neue Kombinationen und Themen!
Der im Vorjahr geschlossene Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien und ein Rahmenabkommen zwischen Israel und Palästina, das die Autonomie von Gaza und Jericho besiegelt, führen zu wesentlich mehr Kombinationsreisen und Reisevariationen im Nahen Osten. Ganz selbstverständlich wechselt man nun innerhalb der Länder beiderseits des Jordan und nach Ägypten. Aber auch in anderen Reisegebieten „erfindet“ Biblische Reisen immer neue Kombinationsmöglichkeiten und Reisethemen! Spektakulär ist die Zwei-Länder-Reise Marokko-Andalusien, die nur im ersten Moment merkwürdig erscheint. Auf dem zweiten Blick wird die religions- und kulturgeschichtliche „Verwandtschaft“ zwischen Marokko und Spanien gegenwärtig, gehörte „Al-Andalus“ doch viele Jahrhunderte zum Maghreb. Auch Kombinationsreisen zwischen Griechenland und der Türkei werden ausgebaut, nicht zuletzt aufgrund der Reisen des Apostels Paulus, dessen Spuren man nun folgt. Das Baltikum lässt sich am besten erschließen, wenn alle drei Länder (Litauen, Lettland und Estland) während einer Reise besucht werden – die neuen Grenzöffnungen erlauben dies. Und so ganz allmählich erobert das Thema der „Kunst“ auch das vielfältige Angebot von Biblische Reisen: Von Mainz führt eine 12-tägige Busreise durch Frankreich bis an die Cote d’Azur und zurück über Basel, um dem Schaffens- und Lebenswerk von Marc Chagall zu folgen.
60 Jahre Biblische Reisen – das Jahr 1994
1994 – Für ihre Friedensbemühungen im Nahen Osten erhalten in diesem Jahr Jassir Arafat, Schimon Peres und Jitzchak Rabin gemeinsam den Friedensnobelpreis. Und Ende Oktober schließen Israel und Jordanien einen Friedensvertrag. Eigentlich alles gute Zeichen für eine Beruhigung der Situation im Nahen Osten! Gleichzeitig aber setzt Saddam Hussein Anfang Oktober Elitetruppen in Richtung Kuwait in Bewegung und wird nur durch den darauf erfolgten amerikanischen Truppenaufmarsch in der Golfregion gestoppt. Aufgrund dieser schwierigen und unübersichtlichen Situation muss Biblische Reisen die bereits im Vorjahr geplante und im Vollcharter sehr gut gebuchte Kreuzfahrt „Arabia Felix – Land in Goldglanz und Weihrauch“ absagen! Sie hätte mit der „MS Adriana“ von Zypern aus durch den Suezkanal und das Rote Meer bis in den Jemen geführt. Dies zeigt einmal mehr, wie zerbrechlich sich die Sicherheitslage im Nahen Osten darstellt und wie wichtig es für Biblische Reisen ist, das angebotene Länderportfolio zu erweitern. Natürlich führen die weitaus meisten Reisen immer noch in das Heilige Land, nach Ägypten, Jordanien und Syrien, aber die Reisen innerhalb Europas gewinnen immer mehr an Bedeutung. Italien, Spanien, die Türkei und Griechenland – aber auch die Länder West- und Nordeuropas kommen immer mehr in den Fokus und bilden weitere Standbeine, die für die wirtschaftliche Stabilisierung des immer noch wachsenden Unternehmens wichtig sind.
60 Jahre Biblische Reisen – das Jahr 1993
1993 – Der diesjährige Friedensnobelpreis wird an Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk verliehen. Südafrika wird vier Jahre später ein Reiseziel für Biblische Reisen.
Im Reisekatalog 1993 finden sich fast 30 Reiseländer weltweit und viele neu konzipierte Reisen. Erstmals werden auch Reisen angeboten, die sich mit dem Thema der Frauen in der Gesellschaft und der Geschichte beschäftigen. Diese Reisen sind tatsächlich nur für Frauen buchbar und werden von Frauen als Reiseleiterinnen geführt. Die einzigen Männer, die diese Reisen permanent begleiten, sind in der Regel die Busfahrer…! Eine der beiden Frauenreisen führt ins Heilige Land, da Christinnen aus Jerusalem, Bet Jala und Bet Sahur die Texte für den Weltgebetstag 1994 gestalten. Neben dem Erleben ihrer Lebenssituation spielen auch ausgewählte Frauengestalten des Alten und Neuen Testaments eine Rolle. Die erste Frauenreise aber geht in diesem Jahr in die Türkei! Die Themen „Die Rolle der Frau im Islam“, „Die Bedeutung der Frauen im Urchristentum“ oder auch „Göttinnen/Muttergottheiten der Antike“ sind nur einige der spannenden Inhalte dieser Reise zwischen Izmir und Istanbul. In den folgenden Jahren wird diese Reihe u.a. mit Frauenreisen nach Griechenland, Spanien, Syrien, Zypern, Ägypten und dem Libanon fortgesetzt. Sogar eine Frauenreise innerhalb Deutschlands auf den Spuren der Hildegard von Bingen findet großen Anklang.
60 Jahre Biblische Reisen – das Jahr 1992
1992 – „Gut Ding will Weile haben…“
Dazu passend gibt es in diesem Jahr zwei kirchengeschichtlich bedeutsame Ereignisse:
Der italienische Universalgelehrte Galileo Galilei, der vor mehr als 300 Jahren vor allem aufgrund seiner astronomischen Theorien („und sie bewegt sich doch“) von der katholischen Kirche verurteilt wurde, wird von Papst Johannes Paul II. und der katholischen Kirche endlich formell rehabilitiert. Und in Hamburg wird Maria Jepsen zur ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin der Welt gewählt!
Es haben sich aber auch erstmals alle Kirchen und viele christliche Verbände Deutschlands und Österreichs zusammengetan, um 1992 gemeinsam ein „Jahr mit der Bibel“ zu gestalten. Biblische Reisen ist als ökumenischer Reisedienst der Bibelwerke natürlich dabei und bietet in diesem Jahr viele zusätzliche Reisen an, die sich thematisch eng mit der Bibel beschäftigen. Unter anderem gibt es eine Kreuzfahrt in die Länder der Bibel, einen Bibelferienkurs und mehrere Reisen auf den Spuren des Apostels Paulus. Dass Reisen in das Heilige Land immer mit der Bibel zu tun haben, versteht sich von selbst – aber die Sonderreise „Der Schatten des Galiläers“, die zu den Schauplätzen des gleichnamigen Romans von Gerd Theißen auf den Spuren Jesu führt, ist schon etwas ganz Besonderes und zeigt den Einfallsreichtum des Reiseveranstalters, ganz besondere Reisen zu kreieren.
60 Jahre Biblische Reisen – das Jahr 1991
1991 – Schwere Zeiten!
Das Weltgeschehen wird in diesem Jahr vor allem vom (zweiten) Golfkrieg, den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion bestimmt. Viele ehemalige Sowjetstaaten erhalten ihre Unabhängigkeit, darunter die baltischen Staaten, Usbekistan, Georgien und Armenien. Der Golfkrieg führt in den ersten Monaten des Jahres zu einem vollständigen Stillstand des Tourismus im Nahen Osten und stellt Biblische Reisen dadurch vor große Herausforderungen! Unter anderem durch das erstmals eingesetzte Mittel der Kurzarbeit und durch eine neue Konzentration auf alternative Reiseziele, wie zum Beispiel Malta, Spanien und Irland, wird die wirtschaftliche Krise überwunden. Umso größer wird die Nachfrage nach Ende des Golfkrieges, zumal nun auch der neue Quellmarkt der „neuen Bundesländer“ allmählich wächst – obwohl Biblische Reisen von Anfang an dort sehr behutsam vorgeht und ausdrücklich nicht als kapitalistisches Unternehmen aus dem Westen mit Billigangeboten auftritt, wie es andere Unternehmen in der „Goldgräberstimmung“ der damaligen Zeit tun. Biblische Reisen gewinnt erst in den nachfolgenden Jahren durch seine qualitativ hochwertigen Reisen verlorene Marktanteile zurück, auch durch das nimmermüde Engagement der Mitarbeiter*innen in Stuttgart, Klosterneuburg und Berlin.
60 Jahre Biblische Reisen – das Jahr 1990
1990 – Das Jahr der Wiedervereinigung und der Öffnung des Eisernen Vorhangs.
Die Mauer wird endgültig abgebaut und am 3. Oktober wird die Wiedervereinigung Deutschlands vollzogen. Seitdem gilt dieser Tag als offizieller Feiertag in Deutschland. Gleichzeitig lösen sich immer mehr Länder aus der Sowjetunion und erklären ihre Unabhängigkeit – Perestroika und Glasnost machen es möglich. Dieses Jahr markiert aber auch das Ende der Apartheid in Südafrika und den Beginn des zweiten Golfkrieges, der in der Folge große Reiseeinschränkungen nach sich ziehen sollte.
Und Biblische Reisen? Gründet in Kooperation mit der Evangelischen Haupt-Bibelgesellschaft zu Berlin eine Außenstelle in der Ziegelstraße 30, indem eine von der Bibelgesellschaft angestellte Mitarbeiterin zur Hälfte ihres Deputats als Sachbearbeiterin für die Biblischen Reisen verpflichtet wird. Erste, preisreduzierte Reisen speziell für „Christen aus der DDR“ werden angeboten, unter anderem nach Israel, Rom, Griechenland und in die Türkei. Bereits im Herbst wird eine „Kundschafterreise“ nach Israel für kirchliche Medienmitarbeiter der DDR von Berlin-Schönefeld aus durchgeführt. 1990 erscheinen aber auch die ersten gemeinsamen Kataloge von Biblische Reisen Stuttgart und Biblische Reisen Österreich mit dem gleichen Titelmotiv „Lebendiges Wasser aus Brunnen der Vergangenheit“.